Marx-Lesekreise bundesweit — ergänzende Texte und Vorträge

Arbeit und Reichtum

Arbeit und Reichtum

Margaret Wirth
Wolfgang Möhl

„Beschäftigung“ – „Globalisierung“ – „Standort“ …
Anmerkungen zum kapitalistischen Verhältnis zwischen
Arbeit und Reichtum

GegenStandpunkt Verlag, 132 Seiten€ 10,–
ISBN 978-3-929211-14-6
auch als Ebook erhältlich!

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Alle brauchen Arbeit – viele finden keine. Man kann das für ein soziales Problem halten und sich vorstellen, „Beschäftigungsförderung“ wäre die passende Antwort, mit staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und einer Senkung der Lohnnebenkosten, mit der „Schaffung von neuen Arbeitsplätzen“ durch Teilzeit- und Leiharbeit, oder wie auch immer. Über eine gewisse Absurdität muss man sich dabei allerdings schon hinwegsetzen: Wenn es nicht mehr so viel zu tun gibt, das Nötige von weniger Leuten in kürzerer Zeit zu erledigen ist – warum braucht dann überhaupt jeder Arbeit und so viele vollgepackte Arbeitsstunden, um leben zu können? Dass weniger Arbeit ersparte Mühe bedeutet: Warum gilt die Gleichung nicht?

Es liegt eben doch noch etwas anderes vor als eine „soziale Problemlage“, und jeder weiß auch was: Dass so viele Leute keine Arbeit finden, liegt an einem ökonomischen Problem. Arbeit unterbleibt, wenn sie nicht rentabel ist, wenn sie dem Unternehmen, in dem und für das sie stattfindet, nicht genügend Geldertrag einbringt. Wenn das so ist, dann findet Arbeit aber auch nur deswegen statt, weil und damit sie einem Unternehmen Gelderträge verschafft. Aus keinem anderen Grund unterbleibt sie dann eben auch, wenn sie nämlich nicht genügend Geld bringt.

Man sollte deswegen auch nicht die Rede vom sozialen Problem „Arbeitslosigkeit“ für die Sache nehmen und mehr Anstrengungen für „Beschäftigung“ einklagen. Die Absurdität des Systems, der Grund seiner Schädlichkeit für die Masse seiner Insassen, liegt nicht darin, dass Arbeit nicht stattfindet, wenn sie nicht rentabel ist, sondern dass sie stattfindet, weil es um Rentabilität geht. Seine soziale Gemeinheit beginnt nicht damit, dass die Leute, die Arbeit brauchen, oft keine finden; sie besteht schon darin, dass sie eine bezahlte Arbeit brauchen. Dass sie dann noch nicht einmal sicher sein können, eine zu finden, folgt daraus von ganz allein.

Marxisten erklären in diesem Buch einmal ganz ohne Blick in „Das Kapital“ wie und was produziert wird im System unserer globalen „Marktwirtschaft“. Dass sie dabei letztlich auf ähnliche Schlüsse über Lohnarbeit und Kapital kommen wie Karl Marx, wird kaum verwundern.

Inhalt

I. Der Zweck der Arbeit in der Marktwirtschaft: Geld
Vom Arbeiten-Müssen und Arbeiten-Lassen

1. Die Ungleichung von Nutzen und Eigentum:
Die Privatmacht des Geldes als Prinzip der gesellschaftlichen Arbeitsteilung

2. Die zwei Seiten marktwirtschaftlicher Erwerbsarbeit:
Mit eigener Arbeit fremdes Eigentum schaffen –
mit fremder Arbeit eigenes Eigentum vermehren

II. Das Rentabilitätsgebot – oder: 
Die Subsumtion der Produktivkraft der Arbeit unter ihre Wirkung für den Geschäftserfolg

1. Arbeit unter dem Regime fremden Eigentums

2. Die sehr bedingte Wertschätzung und die äußerst anspruchsvolle Inbetriebnahme der Arbeit durch den Arbeitgeber

III. Die Rolle des technischen Fortschritts in der Marktwirtschaft – oder: 
Die Produktivkraft der Arbeit als Waffe im Konkurrenzkampf der Unternehmen um Rendite

1. Die Gesellschaft lebt vom und für den kapitalistischen Konkurrenzkampf um ihre Zahlungsfähigkeit

2. Die entscheidende Waffe im Konkurrenzkampf der Unternehmen:
Durch technische Steigerung der Produktivkraft der Arbeit Löhne samt Lohnempfängern überflüssig machen

Exkurs zum Verhältnis zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen im Kapitalismus

3. Der technische Fortschritt und seine Folgen für die Arbeit – oder:
Das Kapital verachtet seine Quelle und behandelt sie entsprechend

IV. Arbeiten unter dem Kreditsystem: 
Immer mehr, immer rentabler, bis nichts mehr geht

1. Von der Konkurrenz der Unternehmen mit Kredit um die rentabelste Arbeit
zum Einsatz rentabler Arbeit in der Konkurrenz der Unternehmen um Kredit

2. Die politökonomische Eigenart des Finanzgeschäfts und seine Leistung:
Freisetzung des Wirtschaftswachstums durch Vergesellschaftung der Privatmacht des Geldes

a) Das Finanzgewerbe etabliert Geldvermehrung als ein jeder Geldsumme inhärentes Recht

b) Das Finanzgewerbe vervielfacht sein Kreditgeschäft durch Geschäfte zwischen den Finanzakteuren und macht so aus seinen Risiken eine haltbare, belastbare, äußerst potente Einnahmequelle

c) Das Finanzgewerbe macht den Kredit zum Ausgangs- und Endpunkt aller Geschäftstätigkeit und vollendet so die Verachtung des Kapitals für die Arbeit, die es zu seiner Quelle macht

3. Der notwendige Kollateralschaden des durch Kredit freigesetzten Wirtschaftswachstums:
Nach dem Aufschwung die Krise

4. Die Verachtung des Kredits für seine Grundlage, die Lohn­arbeit –
und die systemgemäße Antwort der Betroffenen: Hilflose Gesuche um Beschäftigung

V. Der Weltmarkt (1):
Preis und Produktivkraft 
der Arbeit im internationalen Vergleich

1. Konkurrenz über Staatsgrenzen hinweg:
Die Unternehmer erfahren ihre Abhängigkeit von der Produktivität des Gesamtkapitals ihres Standorts und nehmen für die Bewältigung der Folgen die Arbeit in Anspruch

2. Die eine Welt der Marktwirtschaft:
Multis bedienen sich an den nationalen Bedingungen rentabler Arbeit und schaffen so ein globales Proletariat samt „Prekariat“ und „Welthungerproblem“

VI. Der Weltmarkt (2):
Arbeit und Armut 
als Mittel der Staatenkonkurrenz

1. Vom Staatsziel „Vollbeschäftigung“
zur Konkurrenz der Nationen um die rentable Arbeit der Welt

2. Standortpolitik (I):
Die Konkurrenz der Staaten um den Wert des nationalen Geldes

3. Standort-Politik (II):
Wie die Staaten auf Kosten der Arbeit ihre Konkurrenznöte und Krisen bewältigen