Bern

Lektürekurs für Das Kapital, Band 1 in Bern.

Auftaktveranstaltung am 23.03.2013, 13.00 Uhr, Gewerkschaftshaus, Monbijoustrasse 61.

Überfluss und Armut, Arbeitsstress und Arbeitslosigkeit, Lebensmittelskandale, Pleitewellen, Millionen Hungernde, Milliarden für Bankenrettung – an Missständen, die beklagt werden, mangelt es nicht. Sie werden schonungslos aufgedeckt – und die dann folgenden „Erklärungen“ zeigen alle das gleiche Muster: irgendetwas ist da schief gelaufen, da hat irgendwie der Markt nicht funktioniert, da muss es dann auch Schuldige geben, welche das eigentlich segensreiche Wirken der Marktwirtschaft be- und verhindert haben – z.B. indem sie gesundes Gewinnstreben durch Profitgier ersetzt haben. Da sind sich sogar Linke und Liberale einig – nur ob mehr staatliche Kontrolle oder die Wiederherstellung wirklicher Marktkräfte helfen sollen, macht dann den Unterschied.
Marx musste die „sozialen Missstände“ im Kapitalismus nicht erst aufdecken. Armut und Arbeitshetze in einem reichen Land findet man heute wie damals reichlich vor. Die Wirkungen dieser Produktionsweise hat Marx eben nicht als Ausnahme, Skandal oder Ungerechtigkeit einsortiert, sondern mit seiner Analyse als Notwendigkeit für diese Form der Reichtumsproduktion nachgewiesen. Schon mit der Elementarform des Reichtums – der Ware – ist recht viel über die Verteilung und die Nutzniesser des Reichtums entschieden: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‘ungeheure Warenansammlung’, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware“ (Das Kapital, Bd. I, S. 49) .

Gerade wenn alle Welt über skrupellose Spekulanten und die Folgen der Wirtschaftskrise schimpft, lohnt sich einmal die Frage zu klären, wie dieses Wirtschaftssystem eigentlich funktioniert: Die „Kritik der politischen Ökonomie“, so der Untertitel des Werkes, erklärt, woher der Reichtum im Kapitalismus kommt und wie sich darin Nutzen und Schaden dauerhaft verteilen.
An dem Kapitalismus, den Marx in der Phase seines Entstehens analysierte und kritisierte, hat sich seit seinen Tagen dies und das, aber nichts Wesentliches geändert. Immer noch ist die Vermehrung des Geldes der beherrschende Zweck, für den gearbeitet wird – und das ist keineswegs ein geschickter Weg zur besten Befriedigung der Bedürfnisse; noch immer sind die arbeitenden Menschen Kostenfaktor, noch immer findet die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, der grössten Quelle des materiellen Reichtums, ausschliesslich statt, um Gewinn zu erwirtschaften, was auf der anderen Seite eben heisst, bei Löhnen zu sparen und/oder Arbeitskräfte zu entlassen – also die ärmer zu machen, die die ganze Arbeit verrichten.
Wegen dieser Aktualität, und nur wegen ihr, verdient es der längst verblichene Denker, dass man sich seiner erinnert. Seine Bücher helfen, die ökonomische Wirklichkeit heute zu erklären. Marx bietet ungewohnte Gedanken über Gebrauchswert und Tauschwert, konkrete und abstrakte Arbeit, Geld und Nutzen, Arbeit und Reichtum – paarweise Bestimmungen, die unsere moderne Welt nicht mehr auseinander halten kann, während sie tatsächlich die härtesten Gegensätze enthalten.

Unser Angebot: in einem Lektürekreis gründlich zu diskutieren, was sich heute aus dem „Kapital“ noch lernen lässt.

Aktuelle Informationen zu den Terminen gibt es auf der Website der Unia Jugend Bern.

Diese Lesegruppe wird organisiert von:

Unia Jugend Bern
www.unia-jugend-bern.ch
mail@unia-jugend-bern.ch